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Hier findest Du alles rund um Wiesbaden. In den Kategorien links  haben wir bereits eine kleine Auswahl an Themen getroffen. Klick Dich in Ruhe durch und genieße das außergewöhnliche Flair dieser Stadt ab sofort auch online. Viel Freude!

Hidden Champions

Hidden Champions

Mittwochnachmittag – zu kalt um im Schwimmbad ein paar Bahnen zu schwimmen, zu warm und sonnig um es sich auf meinem Sofa bequem zu machen und ohne schlechtes Gewissen einfach nichts zu tun. So befinde ich mich nach meinem Feierabend in Wiesbaden routiniert auf dem Weg zum Bahnhof in Richtung nach Hause und muss einmal mehr wieder feststellen, dass ich wohl zu diesem Gewohnheitstier „Mensch“ gehöre, der Altbekanntes liebt. Warum laufe ich eigentlich immer den gleichen Weg zum Bahnhof? Jeden Tag vorbei an den selben Geschäften, Häuserfassaden und auch Verkäufern, die mir freundlich zunicken. Einzig wechselnd sind die wunderschönen Blumen, die in den Reisinger Anlagen regelmäßig von Gärtnern gepflegt und auch mal ausgetauscht werden.

Gegen meine Routine ankämpfend entscheide ich mich in eine der vielen abgehenden Gassen abzubiegen. Unter mir liegen tausende kleine Pflastersteine in unterschiedlichen Grautönen, grüne Bäume strahlen mir entgegen, die die Straße wie eine kleine Allee wirken lassen, über mir kämpfen die vielen kleinen buntbeplanzten Balkone darum, wer der schönste sein darf.

Mein Blick bleibt direkt an einem pinken Schild mit der Aufschrift „Britmania“ hängen. Auf dem Schaufenster steht „Britische Spezialitäten“ und nach einem Blick in das Schaufenster befinde ich mich im nächsten Moment bereits hinter der Ladentür. Eine Riesenauswahl an Chutneys findet sich hier zwischen kitschigen Servietten, ausgefallenen Kissen und royalen Teeservice wieder. Die vielen Etagière sind geschmückt mit bunten Cupcakes, typisch britisch eben. Nachdem ich eine kurze Weile in dem Geschäft verweilte, in Gedanken bei den vielen wunderschönen kleinen Shops entlang der High Street in England während meines Auslandjahres, nehme ich ein kleines Prospekt und verlasse die Ladentür mit dem festen Vorhaben, hier in den nächsten Tagen für meinen Geburtstagsbrunch einzukaufen.
Weiter entlang der Unteren Albrechtstraße fällt mir ein kleiner Tisch mit 2 Stühlen ins Auge. „Was haben die mitten auf dem Fußgängerweg zu suchen?“ denke ich im ersten Moment, beim zweiten Blick fällt mir jedoch das kleine Restaurant dahinter auf: „Les Deux Dienstbach“ und mir dämmert es sofort. Über die Zwillinge Jennifer und Nathalie Dienstbach habe ich doch letztens erst gelesen. Mit französischen Wurzeln aus der Normandie, einem Wiesbadener als Vater und dem Traum vom kleinen französischen Restaurant führen die beiden seit September 2012 mit Erfolg das Lokal, das aufgrund seiner Authenzität, der herzlichen Art und der einfachen und ländlichen Küche, die mit Suppen, Tartines, Gallettes, Steaks und vielen weiteren typischen Köstlichkeiten besticht, schon viele Stammgäste gefesselt hat. Ein Blick in die ehemalige Apotheke genügt um sich vorstellen zu können, wie gemütlich und lebendig zugleich es hier am Abend zugeht. Die bunt gemischte und irgendwie doch stimmige Einrichtung mit den vielen alten Fotos an der Wand, die Verwandtschaft oder auch französische Persönlichkeiten darstellen könnten, hat einen ganz besonderen Charme. Noch ein kurzer Blick in den kleinen Garten im Hinterhof, der bei gutem Wetter auch nach draußen einlädt, und ich bin überzeugt – dieses Restaurant sollte ich unbedingt demnächst mal ausprobieren.

Am Ende der Unteren Albrechtstraße finde ich mich auf einem Platz inmitten einer mit Bäumen übersäten Allee. Die Adolfsallee dürfte einer der grünsten Straßen in Wiesbaden sein und beherbergt auf dem Grünstreifen neben einem großen Spielplatz, auf dem das Kindergetummel sehr rege ist, auch einen kleinen Platz mit einem Brunnen, um den einige Tische und Stühle gestellt sind. "Sherry & Port" lese ich auf dem Schild des zugehörigen Restaurants. Ich fühle mich direkt eingeladen und setze mich auf eines der Kissen neben den extra gebauten Tischen für die Plätze in der Rotunde nach unten zum Wasser. Ein sehr origineller Platz finde ich und als ich vom Kellner die Karte mit einem Lächeln im Gesicht zugesteckt bekomme musste ich zunächst stutzen: warum halte ich eine Zeitung in der Hand? Ich fange an in der Zeitung zu blättern um festzustellen, dass dies die Karte darstellt. Viele kleine Geschichten über Sherry, Bier und andere Gaumenfreuden lassen mir schon das Wasser im Mund zusammenlaufen. Wieder denke ich über die originelle Idee nach und entscheide mich für einen Portwein, wo ich denn nun ein so lauschiges Plätzchen gefunden habe. Nachdem ich das Glas neben mir abgestellt habe und gedankenverloren dem Plätschern des Brunnens zuschaue, werde ich von einer netten Dame nach dem Platz neben mir gefragt. Im nächsten Moment sitzt sie bereits neben mir mit einem Glas Wein in der Hand und wir kommen ins Gespräch. Ich erzähle ihr von meinen heutigen Entdeckungen und erfahre, dass sie hier direkt um die Ecke wohnt.
Gespannt höre ich ihren Erzählungen zu. Sie berichtet von vielen kleinen Geschäften, in den grünen Straßen; von einem italienischen Restaurant, das Originalprodukte für die eigene Küche anbietet und vor Ort glutenfreie Mahlzeiten auf der wöchentlich wechselnden Karte hat; einem Geschäft mit dem Namen „Fair-kaeuflich“, das ausgefallene Einrichtungsgegenstände und Geschenkideen sowohl im Geschäft als auch online anbietet; ihrem Lieblings-Schmuck-Designer, bei dem sie sich jedes Jahr zu Weihnachten mit einem gemeinsam entworfenen Unikat selbst beschenkt; vielen kleinen authentischen Restaurants, Bars und Kneipen, von der modernen Weinbar „WEINVERITAS“, über das „creme catalana“, einem kleinen bunten Restaurant, in dem es spanische, kalifornische und indische Gerichte zu probieren gibt, bis hin zu den urigen Kneipen, in denen noch geraucht werden darf; und nicht zu vergessen den Hinterhof-Partys, die abwechselnd von der Nachbarschaft ausgerichtet werden. Und immer wieder erwähnt sie die grünen Ecken und Plätze, an denen sie vorbeispaziert, wenn sie nach Hause geht.

Ich bin total überrascht über die Vielfalt und kann mir jetzt nur eine Vorstellung davon machen, wie schön die vielen Ecken sein müssen, von denen die Frau mit leuchtenden Augen erzählt. Bei all den Erzählungen haben wir uns total in der Zeit verloren, denn die Dämmerung setzt langsam schon ein. Ich verabschiede mich von der netten Dame, bezahle meinen Portwein und mache mich auf in Richtung Bahnhof. Dabei halte ich ganz gespannt die Augen offen, da es hier so viel Neues zu entdecken gibt. Mit den vielen Bildern und Impressionen im Kopf sitze ich im Zug und freue mich schon meinem Besuch am Wochenende die Hidden Champions in Wiesbaden zu zeigen.

 

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