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Vom Weinberg zur Rheingauer Weinwoche

Vom Weinberg zur Rheingauer Weinwoche

Ab dem 11. August werden wir wieder für zehn Tage mit einem Weinglas in der Hand, dieses Jahr verziert mit dem Hessischen Staatstheater, über den Schlossplatz und das Dern’sche Gelände schlendern und uns durch die verschiedenen Weinkarten der 96 Winzer aus dem Rheingau probieren. Ob weiß, rosé oder rot; trocken, feinherb oder edelsüß; Riesling- oder Spätburgunder – für jeden Weinexperten, Einstiegssommelier oder Wein-Laie hält die 42. Rheingauer Weinwoche etwas bereit. Doch wie landet der edle Tropfen in unserem Glas? Was passiert bevor der Wein den schmalen Flaschenhals durchdringt und mit einem gekonnten, sauerstoffaufnehmenden Schwenk in der bauchigen Form des Weinglases landet?

Das Leben des guten Weines beginnt an der Weinrebe auf dem Weinberg. Der „Rheingau“ beherbergt alleine bereits eine Fläche von über 3.100 Hektar Weinanbaugebiet, wovon 80% Riesling darstellen. Feinsäuberlich aneinander gereiht wachsen die Weinreben vom Rhein die unterschiedlichen Hänge in Richtung Himmel nach oben. An ihnen ranken sich neben den im Frühling grün, im Herbst bunt gefärbten Blättern auch die unzähligen Beeren in Richtung Sonne. Nimmt man eine Weintraube mit bis zu 100 Beeren in die Hand kann man sich nur sehr schwer vorstellen, wie viele Millionen Beeren hier ein scheinbar gutes Nachbarschaftsverhältnis auf dem Weinberg pflegen.

So nehmen die Weinbeeren die gesamte Vegetationszeit Mineralien aus dem Boden, Regenwasser und Sonne auf und wachsen zunächst zaghaft, zum Schluss explosionsartig. Dabei wechseln sie zum Teil auch ihre Farbe und als Wanderer kann man wieder feststellen, wie viele Grün- und Rottöne die Natur für uns bereithält. Die Rheingauer Weine sind in diesem Prozess prädestiniert, denn genau hier ändert der tausend Kilometer lange Rhein seine Hauptrichtung in Ost-West zur Umgehung des Rheingau-Gebirges. Hierdurch entstehen Hanglagen mit Südeinstrahlung und zusätzlicher Wärme der reflektierenden Wasseroberfläche.

Je nach Witterung im Sommer und Weinsorte beginnt die Weinlese dann zu Beginn des Herbstes, Anfang September. Nach der Lese werden die guten von den schlechten Trauben getrennt, hierfür gibt es mittlerweile technische Verfahren, die einen Großteil der Arbeit des Menschen abnehmen. Nun trennen sich die Wege der einzelnen Beeren, die so viele Monate gemeinsam auf dem Weinberg jeder Witterung stand gehalten haben.

Anschließend findet die Traubenverarbeitung statt. Dabei werden die Beeren entrappt, das bedeutet sie werden vom Traubengerüst getrennt. Nach der Säuberung schlägt nun erstmal scheinbar die letzte Stunde der prallen Beeren, denn sie werden vorsichtig in einer Mühle zerdrückt. Hierbei entsteht ein dickflüssiges Gemisch aus Fruchtfleisch, Traubenkernen, Schalen und Saft, die Maische. Doch kein Grund zur Sorge, den Beeren wird nur dazu verholfen, ein tolles und einzigartiges Produkt zu werden. Die Maische wird sich nun erstmal selbst überlassen, sodass beispielswiese Aromavorstufen und Geschmacksstoffe von den Beeren in den Saft extrahieren können. Die Maischestandzeit (in der Regel 1 - 6 Stunden) ist von hoher Bedeutung, denn sie setzt Stoffe frei, die später für die Struktur und die Haltbarkeit des edlen Tropfens verantwortlich sind.

Nach der Standzeit wird die Maische in einer Weinpresse, auch Kelter genannt, ausgepresst und die Traubenrückstände vom süßen Traubensaft (Most) getrennt. Für den Keltervorgang werden heutzutage oft pneumatische Pressen verwendet. Dabei wird ein Luftsack in der Mitte des Presszylinders aufgeblasen und das Auspressen geht so vorsichtig vonstatten, dass kaum Bitterstoffe aus den Kernen in den Wein gelangen. Aus den in der Kelter zurückgebliebenen festen Bestandteilen der Weintraube, Treber genannt, wird zu einem bestimmten Teil noch Tresterschnaps hergestellt. Je nach Weinsorte kann der Most mit Zucker angereichert werden, sodass er später mehr Alkohol enthält. Der gewonnene Most wird anschließend geschwefelt, das bedeutet schweflige Säure oder Schwefeldioxid wird dem Most hinzu gegeben. Dieser Schritt soll die Oxidation verhindern, sodass die Inhaltsstoffe im Wein geschützt bleiben und die Bräunung des Mostes unterbunden wird. Außerdem wird hierdurch das Wachstum von unerwünschten Mikroorganismen unterdrückt, die Auswirkung auf den Geschmack und die Bekömmlichkeit des Weines haben.

Beim Rotwein wird dagegen der Saft mit der Maische vergoren, so bekommt der Wein seine rötliche Färbung. Die Farbstoffe sitzen in der Beerenhaut und werden während der Gärung von der Haut gelöst. Wird die Maische aus Rotweintrauben sofort abgepresst, wie oben beschrieben, ist das Ergebnis der Roséwein.

Danach findet die Gärung statt. Sie verläuft in mit Gärverschluss abgedichteten Fässern, Metalltanks oder rechteckigen Behältern aus Edelstahl. Bei diesem Schritt wird der Zuckergehalt im Most zu Alkohol umgesetzt. Das edle Gut meldet sich immer wieder zu Wort und blubbert fröhlich vor sich her. Die Hauptgärung dauert in der Regel sechs bis acht Tage. Danach beschwingt uns der Wein mit 8 bis 13 Volumenprozent Alkohol. Zudem entstehen in dem Gärprozess hunderte andere Verbindungen, die Einfluss auf den Geruch und den Geschmack des Weines haben. Wenn der Winzer die Gärung vorzeitig unterbricht, erhält er je nach Menge des unvergorenen Restzuckers halbtrockenen, lieblichen oder süßen Wein. Befindet sich der Wein noch in der Gärung, wird er hier im Rheingau als Federweißer bezeichnet. Bei dem Gedanken freuen wir uns schon wieder auf den Herbst mit einem leckeren Stück Zwiebelkuchen in der einen und einem süffigen Glas Federweißer in der anderen Hand. Nach der Gärung wird abgestochen, das heißt die am Boden abgelagerte Hefe wird entfernt und der Wein wird umgelagert. Oftmals wird der Wein hierbei heutzutage von oben abgesaugt. Der nun entstandene Jungwein ruht die nächsten drei bis sechs Monate in Stahltanks oder Holzfässern und findet nach dem ganzen Prozess erstmal seine wohlverdiente Ruhe. In dieser Zeit gärt die Feinhefe, also Schwebeteile der Hefe, die nicht abgesunken sind, nach. Außerdem findet nun der Feinschliff statt, die letzten Filtrationen, Umfüllungen und Nachbehandlung werden am bereits trinkbaren Wein vorgenommen, sodass am Ende tatsächlich der volle Geschmack einer jeden einzelnen Weinbeere zu erkennen ist. Einige besonders kräftige Weine werden sogar bis zu mehreren Jahren in Barriquefässern gereift, wodurch der Wein Geschmacks- und Farbstoffe des Holzes aufnimmt. Die Weine können nun einige Jahre gelagert werden, ohne großen negative Veränderungen ausgesetzt zu sein.

So kommt es, dass auf der Rheingauer Weinwoche über 1000 Weine angeboten werden - aus unterschiedliche Jahrgängen, Trauben und mit individuellen Verarbeitungsprozesse hergestellt. Alle wurden jedoch mit viel Herzblut und Liebe angebaut, gepflegt und gekeltert und präsentieren sich auf dem Schlossplatz und dem Dern’schen Gelände von seiner besten Seite. Am Ende finden also die vielen Beeren, die einst eine so gute Nachbarschaft auf dem Weinbergen entlang des Rheins pflegten, nach einem langen und anstrengenden Weg in einer gereiften und veredelten Form wieder zusammen – in 1.750.000 Weingläsern* auf der Rheingauer Weinwoche.

* Der Rechnung liegt eine Schätzung von täglich rund 25.000 ausgeschenkten Weinflaschen (0,75 l ) in 0,1 l Gläsern zugrunde.

Essenz – die bunte Welt der Pesto-Kreationen

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